Depression und Seelenverlust

Depression, depressive Verstimmung, scheinbar grundlose Traurigkeit, dann wieder „nicht fühlen können“, Lustlosigkeit, Erschöpfung, manchmal auch zahlreiche Ängste und / oder eine Suchterkrankung…

Für viele Menschen unserer Kultur sind solche Empfindungen und Erfahrungen ständige Begleiter. Nicht bei allen erreicht es einen Schweregrad, der die Empfindungen zur Krankheit werden lässt.

Allgemein lässt sich aber beobachten, dass bei vielen Menschen ein eklatanter Mangel an Lebensfreude und Lebensbejahung  um sich gegriffen hat.

Es gibt sicherlich viele Individualpsychologische Soziologische und gesellschafts -kritische Erklärungsmodelle für diesen Zustand. Ich möchte mich hier aber mit dem Thema Seelenverlust auseinandersetzen. Dies ist eine uralte Vorstellung, die davon ausgeht, dass bei besonderen Belastungen, Traumata, Überforderungssituationen, Heimatverlust (durch Umzug etc.) und ähnlichen Lebenskrisen Teile unserer inneren Welt abgespalten werden. In der modernen Psychologie ist dies auch als Dissoziation oder Abspaltung bekannt.

Die alte schamanisch-bildliche Sprache nennt diese Abspaltungen Seelenanteile. Diese Anteile können abgespalten worden sein, sie können sich sozusagen aus eigenem Entschluss getrennt haben, und nach der Überzeugung mancher Menschen können sie auch „gestohlen“ worden sein.

Der Verlust dieser Anteile bewirkt beim Menschen oft ein Gefühl von Unvollständigkeit, Einsamkeit, Abtrennung. Der Mensch merkt, dass ihm Bereiche des Erlebens fremd sind, dass es zu Zeiten oder dauerhaft schwer fällt, so richtig am Leben teilzunehmen, es zu genießen, Beziehungen einzugehen, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Menschen, die davon betroffen sind, tragen oft eine tiefe, unnennbare, unerfüllte Sehnsucht in sich. Sie suchen auf die eine oder andere Weise, ohne zu wissen, wonach sie suchen.

Sie suchen nach einem Teil von sich selbst.

Dieser Seelenverlust gehört zu den Schutzmechanismen des Menschen. Wenn ich einen Schock erlitten habe, möchte ich überall sein, nur nicht da, wo das Trauma stattgefunden hat. Ein Teil meiner Essenz zieht sich zurück.. Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Wege grundsätzliche Wege, wenn es um Traumaerfahrung geht:

1. Ein Teil meiner Essenz zieht sich zurück, spaltet sich ab, um sich vor dem Trauma zu schützen…

2. Ich spalte einen Teil meiner Essenz ab, um mich vor dem Trauma zu schützen.

Ich finde diese Unterscheidung wichtig, denn von ihr hängt es ab, was der Klient tun kann, um die Reintegration der Anteile zu unterstützen. Wird ein Anteil zurückgeholt, der ein Trauma trägt, so sind andere Hilfen notwendig, als wenn ein Teil zurückgebracht wird, der sich vor dem Trauma schützen wollte, und somit Potential, Energie, Lebensfreude etc, trägt, aber keine negativen Erfahrungen.

In diesen Fällen von Seelenverlust kann die Verbindung zu dem jeweiligen Anteil durch eine schamanische Reise wieder hergestellt werden. Dabei begibt sich die begleitende Schamanin auf eine Reise in die Unterwelt, begleitet von ihren Krafttieren und Helfern. Dort sucht sie gezielt nach dem oder den Anteilen des betroffenen Menschen.

Findet sie Anteile, so geht sie mit ihnen in Kommunikation, um herauszufinden, aus welchen Gründen dieser Teil sich in der anderen Welt befindet, ob er zurückkehren möchte, und was er braucht, um sich dann auch wieder wirklich integrieren zu können.

Die Anteile werden zurückgebracht, die Verbindung zum Betroffenen wird wieder hergestellt, und dann wird im Nachgespräch geklärt, was zu tun ist. Nach einer solchen Seelenrückholung sind oft noch mehrere Gespräche zur Begleitung und Bearbeitung erforderlich. Manchmal kommt der Mensch aber auch mit den erhaltenen Anteilen und Informationen sofort wunderbar zurecht.

Dann gibt es natürlich noch den Fall der „gestohlenen“ Seele. Was es damit in früheren Zeiten und auch heute auf sich hat, ob es wirklich Mächtige gab oder gibt, die einem Menschen ohne sein Einverständnis einen Seelenteil nehmen können, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen.

Aus meiner Arbeit kenne ich aber durchaus das Phänomen, dass ein Seelenanteil aufgegeben, oder  einem anderen „angeheftet“ wird. Das geschieht häufig in, oder als Folge von destruktiven Liebesbeziehungen, in denen Abhängigkeit eine Rolle spielt.

Meist kommt als Ratsuchender der oder diejenige, die den abhängigen, unterdrückten, leidenden Part gespielt hat. Häufig glaubt er oder sie, dass der/ die Partner/in ihm oder ihr „die Seele genommen hat“. Auf diesem Hintergrund würde es die Begleitung durch einen Schamanen erfordern, der „mächtiger“ ist, als der „Seelendieb“, der also in der Lage ist, dem anderen den Seelenanteil „abzunehmen“, um ihn dem angestammten Besitzer zurück zu bringen.
In meiner Arbeit ist mir ein solches Geschehen noch nicht begegnet.
Es ist eher so, dass derjenige, der die Abhängigkeit, das unterdrückt und manipuliert werden, zulässt, einen Teil von sich aufgibt, den er oder sie dem anderen zuschiebt (der die Energie, die damit verbunden ist, in der Regel auch gerne annimmt). Dieselbe Form von Seelenverlust kann man bei Menschen beobachten, die in unangemessener Weise Verantwortung für das Leben eines anderen übernehmen. Das kann zwischen Eltern und Kindern geschehen (in beide Richtungen!) aber ich habe es auch schon zwischen Therapeut und Klient beobachtet.

In diesem Falle halte ich eine andere Vorgehensweise für sinnvoll und erfolg –versprechend. Hier muss es zusätzlich zur Rückholungsarbeit darum gehen, den Ratsuchenden zu befähigen, seine Handlungsweise zu durchschauen und die Ursachen dafür zu erkennen, damit er oder sie  sich in Zukunft vor solchen Fallen schützen kann.

Schon im Vorfeld ist es hier wichtig, dass er oder sie die Verantwortung für das Aufgeben eines Anteils übernimmt. Dass er oder sie sich dann, mit Hilfe geeigneter Rituale, vollständig aus der verstrickten Beziehung löst, und wieder Anspruch erhebt auf die aufgegebenen Anteile. Wenn anschließend eine Seelenrückholung durchgeführt wird, so sind die Aussichten auf eine Reintegration, verbunden mit einem guten Schutz für die Zukunft, sehr gut.

In jedem Falle habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich nach einer solchen Rückholungsarbeit die Lebensqualität der Betroffenen deutlich gebessert hat. Die Rückmeldungen reichen von größerer Zufriedenheit, mehr Optimismus und Lebensfreude über verbesserte Beziehungsfähigkeit, größere Klarheit, Rückgang körperlicher Symptome, bis zu wesentlichen Heilungsprozessen und tiefen spirituellen Erfahrungen.

 Eva-Elisabeth Bouizedkane
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