Das Ziel des Yoga, mit Hilfe des Bewusstseins das Bewusstsein zu erhöhen wird hier auf einer einfachen Ebene geübt.

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Kindern Yoga zu unterrichten lenkt den Schwerpunkt für die Lehrerin, je nach Altersgruppe, weniger auf die meditative Introspektion. Obwohl in den kurzen Momenten, in denen die Augen geschlossen werden, oder in der Kauerstellung ein Bild imaginiert wird, eine tiefe, ruhige Innigkeit entsteht, als hätten die Kinder den Zugang zu den inneren Welten noch viel selbstverständlicher. Wichtig ist es, ihnen Gelegenheiten für den Weg nach innen zu bieten und Offenheit für das Erlebte. Das Ziel des Yoga, mit Hilfe des Bewusstseins das Bewusstsein zu erhöhen wird hier auf einer einfachen Ebene geübt. Auf das Anschlagen der Klangschale hören die Kinder mit faszinierter Aufmerksamkeit. Doch schon wollen die Gedankenblitze wieder nach außen in die Aktion. Das Erzählen, was als innere Bilder gesehen wurde, nimmt deshalb auch Raum ein und dient als kleine Entspannungsphase zwischen den Übungen. Denn im Artikulieren wird bewusst, wo der Geist überall war und wie schnell er von einem Objekt zum anderen huscht. So wird immer wieder für kleine Momente der Aspekt von „Pratyahara“, der Sinneszurückziehung geübt.
Ob die Kinder verstanden haben warum der Geist mit einer Horde wilder Affen verglichen wird ?
Doch als ein Junge erzählte dass sein Affe während der Stunde bei den Legosteinen zuhause gewesen sei, überlege ich nicht mehr ob meine Erklärungen wohl zu kompliziert seien.
Die dreiundwanzig Übungen auf dem Plakat dienen als Anleitung, wobei die Ungeduld der Kinder oft keine Vorübungen duldet, nein sie wollen sich an die Darstellungen halten und die Tiere nachahmen. Mit dem Schmetterling werden zum Beispiel die Hüften gedehnt und die Durchblutung angeregt, ohne dass es für die Kinder extra in Worte gefasst werden muss. Denn für fachliche Erklärungen scheint, im Gegensatz zu einer Yogastunde für Erwachsene, nicht viel Interesse vorhanden. Das „Hundehecheln“ mit der herausgestreckten Zunge bringt wilde Energie und Kindergebrüll in den Raum. Mit dem „Engel“, dem konzentrierten Atmen in die drei Ebenen mit dem Öffnen der Arme als wären sie Flügel, wird die Stimmung wieder beruhigt.
Wer eigene Kinder hat, bringt die Erfahrung mit wie schnell sich die eigene Gefühlsstimmung auf die Kinder auswirkt. Für eine Yogalehrerin, wie für jede andere Pädagogin, gilt es jedoch auch eine Gruppe von unterschiedlichen Kindern bestimmt aber liebevoll in die Übungen zu lenken. Hier bieten die Körperpositionen mit den tierähnlichen Namen eine spielerische Hilfe um die Aufmerksamkeit zu fesseln.
Dass die „Katze“ geschmeidig macht wird in der Beobachtung der Kinder und deren assoziativen Zusatzbewegungen offensichtlich. Sich strecken wie im „Frosch“ verleitet so manch ein Kind zu einem weiteren Hüpfer. Zur Abwechslung wird in Partnerarbeit eine Brücke oder ein Doppelbaum nachgebildet. Nach mehreren Übungen wird der „abwärtsgerichtete Hund“, für die Kinder „Berg“ genannt, in der Aneinanderreihung zum Tunnel und alle teilnehmenden Kinder dürfen nacheinander durchkriechen. Dies sensibilisiert die Achtsamkeit auf das gesamte Gruppengefüge und bringt besonders viele Lacher weil immer wieder ein Teilstück des Tunnels einbricht. Das Durcheinanderpurzeln ist ein Zeichen, dass die Konzentration nachlässt und es Zeit für das Abschlussmantra wird.
Nach den Fingerspielen, die zu den Hasta-Mudras führten ereifern sich die siebenjährigen Mädchen noch den ganzen Tag, wer die interessantesten Hand-Gesten erfindet, die neben geistiger Konzentration die unerschiedlichsten Auswirkungen auf Körper und Geist versprechen.
Während ein Teil der Eltern am Nachmittag an der Yogastunde für die Großen teilnimmt kann der „Fisch“ am nahe gelegenen See direkt im Wasser ausprobiert werden. So manch ein „Gameboy“ wurde zuhause gelassen, denn diese Woche bringt neben Gemeinschaft und vielen Anregungen Erholung auf unterschiedlichen Ebenen. Dass wie nebenbei Körper, Geist und Bewusstsein im yogischen Sinne genährt werden, fällt den Aufmerksamen an der guten Laune auf. „Santosha“, Gelassenheit und mentale Heiterkeit scheint ein selbstverständliches Nebenprodukt der Kinder-Yoga-Woche.
Die Yogaübungen bieten einen Ausgleich zu den heutigen Alltagsgewohnheiten die oft schon im Grundschulalter nur ungenügend kompensiert werden können. Körperkoordination wird weitfassend geübt und das Bewusstsein für eine vollere Atmung entwickelt. Die verschiedenen Übungen auf körperlicher und geistiger Ebene fördern die Gesundheit im gesamtheitlichen Sinne. 

Yogaschule Samtosha

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